Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 11/2020

Jetzt ist die Mithilfe aller notwendig

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Corona-Pandemie hat uns wieder voll im Griff und es ist zu befürchten, dass die zum Glück nicht eingetretenen Szenarien aus dem Frühjahr nun kommen könnten. Insofern meine dringliche Bitte: Schützen Sie sich und Ihr Personal ausreichend in den Praxen. In vielen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass das Personal von medizinischen Einrichtungen besonders gefährdet ist. Schutzausrüstung ist bis auf Schutzanzüge ausreichend vorhanden und wurde bereits im Oktober noch einmal an die Praxen geliefert. Die Kassen werden in diesem Jahr auch weiter die Kosten für zusätzliche Schutzausrüstung übernehmen, und voraussichtlich im November werden wir wieder eine Lieferung an die Praxen senden können. Nach der neuen Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit können wir nun in wöchentlichen Abständen unser Personal in den Praxen mittels eines Antigen-Schnelltestes selbst untersuchen. Das gibt uns weitere Sicherheit im Praxisablauf. Die Kosten für die Tests werden vom Gesundheitsfonds übernommen.

In den kommenden Wochen und ggf. Monaten wird es um die Sicherung der Versorgung der Patienten gehen – sowohl der akut Erkrankten wie auch der chronisch Kranken, die sich in regelmäßiger Therapie befinden. Für beide Gruppen muss es ausreichend Angebote geben. Die Behandlung von ranken ist unsere Aufgabe als Vertragsärzte! Der mit anderen Aufgaben völlig gebundene öffentliche Gesundheitsdienst hat hiermit nichts zu tun. Seine Aufgabe ist die Eindämmung des Ausbruchsgeschehens durch eine möglichst schnelle Kontaktverfolgung. Nach der derzeit gültigen Rechtsverordnung können aber auch wir in den Praxen bei Kontaktpersonen entsprechende Abstriche vornehmen und PCR-Tests veranlassen, ohne einen Auftrag vom Gesundheitsamt hierfür erhalten zu haben. Das Ziel ist und bleibt es, Infizierte so schnell wie möglich zu isolieren. Nur so kann eine besonders schnelle Ausbreitung verhindert werden. Die von einigen Praxen und der Kassenärztlichen Vereinigung aufgebauten Fieberambulanzen in vielen Städten des Landes werden die Arbeit nur unterstützen, aber allein die notwendigen Untersuchungen nicht durchführen können. Daher ist die Mithilfe aller Praxen notwendig. Durch organisatorische Maßnahmen in der Praxis sollte es möglich sein, Infektpatienten von Gesunden entweder räumlich oder zeitlich zu trennen. Bitte versuchen Sie, in möglichst allen Praxen solche Konzepte umzusetzen und die Versorgung Ihrer eigenen Patienten damit zu sichern.

Viel Wert müssen wir auf den Schutz der besonders gefährdeten Gruppen legen. Insofern wird die Testung von Personal, Patienten und Bewohnern von Pflegeheimen an Bedeutung gewinnen. Auch die Testung von Personal der ambulanten Pflegedienste wird wichtig sein, um Übertragungen zu vermeiden. Hierfür stehen auch Antigen-Schnelltests zur Verfügung, die sie selbst besorgen und durchführen sollen. Arztpraxen können diese Aufgaben nicht noch zusätzlich übernehmen, aber ggf. das Personal beim Umgang mit den Tests schulen. Durch diese Maßnahmen wird es möglich sein, insbesondere die älteren und multimorbiden Patienten besonders zu schützen, ohne sie wie im Frühjahr komplett zu isolieren und damit zusätzliche Probleme zu provozieren.

Ich hoffe, dass wir alle gesund über diese angespannte Zeit kommen.

Ihr
Burkhard John