Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

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Editorial PRO 10/2020

Versorgung von Infektpatienten gut organisieren

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

die Versorgung von Patienten mit Infekten wird in den kommenden Wochen eine echte Herausforderung. Zu unterscheiden, wer einen normalen Infekt oder eine Influenza oder COVID-19 hat, ist klinisch kaum möglich. Insofern werden wir wahrscheinlich bei relativ vielen Patienten einen Abstrich durchführen müssen. Bundesgesundheitsminister Spahn hat vorgeschlagen, flächendeckend in Deutschland Fieberambulanzen aufzubauen und sieht die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Pflicht. Solche Ambulanzen hatten wir in den Hochzeiten im Frühjahr bereits in vielen Bereichen von Sachsen-Anhalt aufgebaut. Teilweise in Eigeninitiative von Praxen und teilweise unter Führung der KV. Nachdem in den Sommermonaten diese Praxen ihren Betrieb reduziert oder gar nicht gearbeitet haben, werden wir diese nun zum Teil wieder aktivieren und für besondere Bedarfe als Back up für die Praxen etablieren. Es ist aus meiner Sicht aber unmöglich, die Versorgung von allen Fieberpatienten über solche Praxen zu organisieren, weil die Zahl der Erkrankten viel zu hoch sein wird und die in den Fieberambulanzen zur Verfügung stehenden Kapazitäten sehr begrenzt sind. Weder zusätzliche Räumlichkeiten, noch zusätzliches ärztliches oder nichtärztliches Personal steht ausreichend zur Verfügung.

Insofern wird es notwendig sein, dass alle betroffenen Praxen auch ihre Aufgabe wahrnehmen und Infektpatienten diagnostizieren und behandeln. Beim Hausärztetag in Berlin sagte ein Kollege, dass diese Aufgabe für ihn inzwischen genauso dazu gehöre wie die Behandlung von Patienten mit Hypertonie. Diese Einstellung finde ich gut und richtig. Die Diagnostik und Behandlung von Patienten, bei denen ein begründeter Verdacht auf COVID-19 vorliegt, sollte zunächst ganz normal insbesondere von den Hausärzten wahrgenommen werden. Nur wenn die Zahl der Erkrankten oder die Zahl der zu kontrollierenden Kontaktpersonen zu groß wird, müssen Fieberambulanzen unterstützen.

Es ist daher notwendig, dass sich die Praxen darüber Gedanken machen, wie die Versorgung gut organisiert werden kann. Viele Praxen haben hierfür gesonderte Sprechzeiten (vor oder nach den normalen Sprechzeiten für chronisch Kranke) oder besondere Praxisbereiche geschaffen. Eventuell kann es auch Sinn machen, dass sich die Kollegen einer Region absprechen und täglich eine andere Praxis die Infektpatienten übernimmt. Viele Varianten sind denkbar. Ich möchte Sie auffordern, sich gegebenenfalls aktiv mit den Kollegen der Region abzusprechen. Die Behandlung dieser Patienten ist unsere Aufgabe als Vertragsärzte und nicht die des öffentlichen Gesundheitsdienstes oder der Krankenhäuser.

Natürlich ist es wichtig, dass wir ausreichend Schutzausrüstung in den Praxen haben, um diese Aufgabe auch wahrnehmen zu können. Möglicherweise haben Praxen aus dem Frühjahr noch Material vorrätig, aber das wird nun bald zu Ende gehen. Die Verfügbarkeit von Masken, Handschuhen, Desinfektionsmittel und Anderem hat sich seit dem Frühjahr deutlich verbessert. Arbeitgeber sind verpflichtet, den Mitarbeitern Schutzmaterial in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch für Arztpraxen, wobei die Kosten für die Schutzausrüstung im Normalfall in den EBM-Leistungen mit einkalkuliert sind. Im Pandemiefall wie derzeit trifft dieses aber nicht zu, weil Preis und Menge nicht dem Normalfall entsprechen. Wir haben daher in den letzten Tagen nochmals Schutzmaterial ausgeliefert und verhandeln derzeit mit den Krankenkassen über verschiedene Optionen. Die Kassen sind hier in der Pflicht, und ich hoffe sehr, dass wir schnellstmöglich zu einer sinnvollen Lösung finden.

Ihr

Burkhard John